Darf ich vorstellen: Manni Kopfeck

Darf ich vorstellen: Manni Kopfeck

Das ist bzw. war unser aller erstes Schaftier. Ein etwas verwirrter, leicht durchgedrehter und so liebenswürdiger Kamerun-Schafbock. Ein auf dem Bilde noch sehr junger Schafbock von vielleicht 6 Monaten, den wir aus schlimmen Zuständen herauskauften und so befreiten. Eine kleine, dunkle Kammer von 5 qm bedeckt von einer dicken Schicht, einem Gemisch aus Ausscheidungen und Strohresten, teilte er sich mit noch weiteren vier Mitgliedern seiner Familie. Die anderen standen nicht zum Angebot/Verkauf.

Eine Futterraufe war nicht in Sicht. Einen Bunch Heu bekamen sie wohl zu ihren Ausscheidungen dazu. Der ganze Hof war ziemlich vermüllt und unsauber.

Wir haben in den letzten Jahren einige Tiere zu uns genommen, die zum Teil verschenkt wurden, weil sie die Vorbesitzer loswerden wollten. Viele sind, wie schon einmal an anderer Stelle erwähnt, von uns gegangen. Die Geschichte um unseren stets unsicheren, leicht paranoiden Wirrkopf Kopfeck jedoch war nebst den Gänseleichen nach einem Fuchsattentat die wohl schmerzlichste. Es fiel ihm schwer nach den wohl grausamen Erfahrungen aus seiner frühsten Kindheit, zur Ruhe zu kommen.

Damals hatten wir noch einen Stall, aber noch keinen Umgriff (Einzäunung) am Grundstück. Außerhalb hatten wir einen kleinen Bereich für ihn und die später hinzugekommene Susi Vierlinger abgegrenzt. Wann immer Tom in den Stall ging, um zu säubern, Futter zu bringen oder anderes, ward er auf der Hut. Mich schien, als würde er einerseits vor Tom kuschen andererseits aber ihn angreifen wollen, sobald er ihm den Rücken kehrte. Also ein nicht sehr entspanntes und Vertrauen empfindendes Verhalten seinerseits. Sein Gehörn war noch recht klein. Er wusste nicht, oder konnte es nicht glauben und auch nicht mehr lernen, dass von Tom keinerlei Bedrohung ausging. Wenn er draußen auf dem Wiesenstück war, dann sprang er wie ein dressiertes oder halluzinierendes Tier umher. Als würde ihn jemand verfolgen und angreifen. Jemand, der für uns nicht sichtbar war. Als im Mai 2016 unsere Schafdame Zwillingslämmer bekam, mussten wir Kopfeck für die ersten Tage außerhalb des Geheges halten, in dem Mutter ihre Lämmer versorgte. Denn er hat die Neugeborenen immer wieder angegriffen.

Zu deren Sicherheit quartierten wir ihn aus und zu seiner Sicherheit haben wir ihn mit einem langen Band an einer Kirsche am Gehegezaun angebunden und über Nacht ließen wir ihn mit den anderen Schafen draußen. Nach der zweiten Nacht fanden wir ihn tot auf. Es war so traurig. Mittlerweile hatte er ordentlich an Gewicht zugelegt (schätzungsweise 50 kg) und ein stattliches, seiner Rasse typisches, gewundenes Gehörn bekommen. Als wir seine Hinterläufe hinter einem Felsen in der Wiese liegen sahen, waren wir schockiert. Denn das war nicht der Ort, an welchem wir ihn zurück ließen. Mir schossen Gedanken, wie Kampf, Wildschweine, Wölfe durch den Kopf. In welchem Zustand würden wir ihn vorfinden? Blutüberströmt? Nicht mehr vollständig? Was würde noch von ihm übrig sein? Als wir bei ihm ankamen, war auf dem ersten Blick nichts dergleichen zu sehen. Kein Blut. Keine Wunde. Nichts. Doch eines fiel sofort auf. Er war an einer anderen Stelle angebunden. Und nun erinnerte ich mich, dass ich in der Nacht im Halbschlaf die Schreie Kopfecks vernahm. Tom untersuchte ihn und entdeckte eine kleine, kreisrunde Kopfverletzung. Der Eintritt eines Bullets oder Aufprall einer Spitzhacke. Das Hirn kam durch Nase und Mund heraus.

Damals war das Areal auch noch nicht videoüberwacht. Alles, was uns blieb, war, Kopfeck zu beizusetzen.

Wir leben in einem Gebiet, in welchem auch Jäger aktiv sind und auch für die feierlustige, betrunkene Dorfjugend sind 15 km auf einem Quad nur ein Katzensprung.

Was auch immer in jener Nacht dazu führte, dass Kopfeck von uns gehen musste, wir ließen uns mit der Neuanschaffung von Kamerunschafen Zeit.

Ruhe in Frieden.

 

 

 

 

 

 

 

P.S.

Wem der Name Manni Kopfeck bekannt vorkommt. Ja, wir haben ihn nach der Rolle des Carl Obermayr in der einzigartigen, von Patrick Süßkind und Helmut Dietl geschriebenen Serie Monaco Franz – Der ewige Stenz (Helmut Fischer), benannt. Eigentlich eine filmische Reihe vor meiner Zeit, aber eine grandiose Verfilmung mit vorzüglicher schauspielerischer Leistung bleibt sie dennoch. Sehr zu empfehlen.

 

Ein Beitrag aus dem “Eden-Projekt”

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